Sollen wir Hanf freigeben?

Ein Diskussionsbeitrag von Kevin Price.

Am Dienstag hörte ich im NDR von Urteilen aus Köln, dass in bestimmten Fällen der Eigenanbau von Hanf zur Schmerztherapie erlaubt werden kann. Die erfolgreichen Kläger leiden chronisch, können sich konventionelle Medikamente nicht leisten und Zugang Dritter zu ihrem Eigenanbau kann für das Gericht in den drei Fällen hinreichend sicher ausgeschlossen werden. Diese Urteile halte ich für eine humane Notlösung, auch wenn diese eng gesteckten Kriterien wohl auf deutlich mehr Patienten zuträfen. Wo bleiben diese Menschen?

Es ist positiv zu bewerten, dass diese Urteile die öffentliche Debatte zum Thema beleben. Aus der Regierungskoalition kam bereits Gegenwind: Der frühere gesundheitspolitische SPD-Sprecher Karl Lauterbach aus Köln fragte im rbb, “Wer will denn kontrollieren, in welcher Qualität dort angebaut wird und wer das Angebaute konsumiert?”

Diese Frage ist durchaus berechtigt. Vor allem aus Sicht der Pharmalobby. Oder falls man Kontrolle der Menschen als Hauptaufgabe unseres Staates sieht. Diese Positionen vertrete ich nicht. Aber die ihnen zugrundeliegende Annahme teile ich voll: Solche Kontrolle würde äußerst schwierig. Daher empfehle ich einen Blick über den Tellerrand der Legislaturperiode und über die Landesgrenzen hinaus.

Als Bürger der Vereinigten Staaten von Amerika habe ich mich auch mit der amerikanischen Geschichte befasst. Dort war während der 1920er Jahre das Genussmittel Alkohol verboten. Herstellung, Handel und Genuss von Alkohol wurden strafbar. Der daraus resultierenden organisierten Kriminalität fielen so viele zum Opfer, dass diesem Mafia-Zeitalter ganze Filme und TV-Serien gewidmet sind. Aus dem Fehler der Prohibition haben weite Teile der Welt inzwischen gelernt.

Die amerikanischen Mafia-Morde sind seit 1933 Geschichte, die Alkoholtoten halten sich seither in Grenzen – nicht aber die Straftaten, die unter Alkoholeinfluss, also im betrunkenen Zustand, verübt wurden. Beim Hanf sieht das anders aus: Hanftote und Gewalt durch Hanfeinfluss muss man lange suchen, aber die heute noch geltende Hanf-Prohibition führt zu kriminellen Machenschaften im Bereich der Beschaffung.

Warum ist Deutschland so rückständig, was Drogenpolitik betrifft? Nicht nur in den Niederlanden gibt es eine liberale Politik, auch in Spanien ist zum Beispiel privater Hanfanbau zu Genusszwecken heute praktisch legal. Die Sucht nach Alkohol, Tabak oder Glücksspiel konnte durch Kriminalisierung und Dämonisierung nie wirksam bekämpft werden, denn gegen Suchterkrankungen hilft nur Aufklärung. Deshalb sollten unsere Volksvertreter endlich uns Bürger, deren Interessen sie vertreten sollten, über die Gewinnsucht der Pharmalobby stellen.


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