6 Wochen PIRAT ein Fazit

Vorneweg: Ich bin gerne PIRAT.

Ich will mich in einer Partei engagieren, die so viel Potential hat wie es die PIRATEN besitzen. Ich freue mich, dass man hier schnell nach seinen Fähigkeiten gefördert und gefordert wird. Dies findet man in anderen Parteien nicht so, wo Standesdünkel und das Vitamin B das Entscheidende sind. Ich sehe mich als sozialliberal an und habe meine linksanarchistische Attitüde damals, als ich mich Studiumstechnisch mit der Materie beschäftigte, abgelegt.

Klar will ich eine andere Welt. Klarmachen zum ändern spricht nicht nur mir aus der Seele. Deswegen bin ich nach langem hin und her in die Partei eingetreten. Doch eine Sache habe ich vor Ort und auch an anderen Stellen in der Partei gesehen und die regt mich auf. Ich bin traurig und enttäuscht darüber und denke, dass wir PIRATEN da etwas ändern müssen: Die mangelnde Professionalisierung und das einige denken, man ist in einer unverbindlichen Sache drin, regt mich auf. Es wird keinerlei Verantwortung von manchen auch hohen Funktionsträgern übernommen und die dort gelebte laissez-faire Attitüde, welche unserer Generation von ihren Kritikern vorgeworfen wird, ist erschreckend.

Politik ist ein ernsthaftes Geschäft. Wir alle machen Politik, weil wir etwas bewirken wollen. Wir sind mit dem Status Quo unzufrieden. Wir wollen etwas ändern, dass ist unser Motto und unsere Überzeugung.

Wenn sich Leute hinstellen und ein „Bombergate“ und ein “Molligate” verursachen, ist es nach den Regeln des politischen Anstands nur zu klar, dass  dafür personelle Konsequenzen getragen werden muss. Man muss, wie auch im echten Leben und im Beruf, für einen Fehler gerade stehen.

Wenn jemand der für den BuVo kandidiert, plötzlich es sich anders überlegt und aus der Partei austritt kann man nicht erwarten oder einklagen, dass sein Interview von der Flaschenpost gelöscht wird, sich dabei auf seine Persönlichkeitsrechte berufen und andernfalls juristische Schritte ankündigen. Man sollte vorher überlegen, welche Konsequenzen es hat wenn man sich für etwas aufstellt und was dazu gehört.

Diskussionen erinnern einen teilweise an wüste Flamewars im Heise-Forum. Wenn in meiner Heimatstadt die PIRATEN lang und breit diskutieren ob und wie sie Wahlkampf machen wollen, aber einen Monat vor der Wahl nicht mal ein Konzept dasteht – dann sollte man sich Gedanken machen. Dann sollte man sich auch nicht über 2 Mandate im Stadtrat freuen und erst einmal eine groteske Diskussion über Fraktionsbildung und anderes auf einem Stammtisch führen zu dem Interessenten kommen die dann zu Recht abgeschreckt von unserer doch so schönen Partei sind. Dies stellt alle diejenigen die an die Partei glauben und für ihre Ziele kämpfen in ein schlechtes Licht.

Das man einen BuVo hat, der monatelang arbeitsunfähig ist und man nicht schnell aus dieser schlechten Lage kommt ist auch bezeichnend für die Mangelnde Ernsthaftigkeit mancher in der Partei. Um Politik zu machen muss man sich einbringen. Das tun viele von uns mit Herzblut wie auch ich. Ich freue mich über das gute Klima in einigen Gebieten der Partei und es macht mir Spaß engagierte Mitglieder zu treffen von denen ich noch so viel lernen kann.

Leider sind es die leisen, die welche nicht gehört und gesehen werden. Sie leiden unter dem Chaos und der Mangelnden Struktur, wie auch der vermissenden Ernsthaftigkeit einer Minderheit in der Partei.

Wir PIRATEN müssen als Partei noch viel lernen, wir brauchen Strukturen und ein professionelles Personal. Wir sind da um unserer Generation einer Lobby zu geben. Wenn Katharina Nocun schreibt, dass unsere Generation keine Lobby hat, hat sie recht. Doch dafür sind gerade wir PIRATEN da, wir sind die Lobby unserer Generation und wir müssen laut und stark sein damit wir gehört werden. Wir kennen die Lebenswirklichkeit von vielen, die sich mit dem Status Quo nicht identifizieren können, wir müssen in die Lage kommen etwas zu ändern.

Wir haben nach Halle einen langen Weg vor uns und wir dürfen nicht das Trennende sehen, sondern das was uns PIRATEN alle verbindet: Die Hoffnung auf einen Wandel und die Verbesserung der Zukunft. Wir können unserer Generation wieder einen Platz zum Träumen geben und ihnen die Würde geben, nach welcher sie sich sehnt. Dafür brauchen wir in Halle das richtige Personal und eine neue Kultur in dieser Partei. Wir PIRATEN müssen uns klar werden wohin wir gehen wollen. Politisch brauchen wir Ziele und Träume.

Ich bin in der Partei weil ich will, dass unsere Generation wieder träumen soll. Dies haben wir in einer Gesellschaft, in der viele sich alleine fühlen, verlernt. Es ist mittlerweile verpönt zu träumen und neue Ideen zu artikulieren, alles soll dem Sachzwang untergeordnet werden. Doch dies ist für uns nicht die Politik wie wir sie sehen und brauchen – unsere Generation will das große Ganze. Wir sind wild.

Wenn in Liedern über unsere Generation gesungen wird, das wir „young and free“ sind, trifft es den Nagel auf den Kopf. Wir müssen und wollen uns politisch erproben und jetzt ist die Zeit wo wir uns auf die politische Bühne begeben. Dabei müssen wir uns von liebgewonnenen Verhaltensweisen aus der Jugend verabschieden. Wir können nicht nur einfach so drauf los flamen und beleidigt aus der Partei treten, wenn es mal nicht so läuft wie wir uns es vorstellen. Politik ist Kompromiss und das lernen wir hier in der Partei.

Es ist schädigend wenn einige meinen ihre Minderheitenmeinung und ihre Sichtweise der Partei überzustülpen und Diskussionen darüber ablehnen. Wir brauchen eine faire Diskussionskultur und wir können nicht Politik nur durch Tweets machen. Der arabische Frühling hat uns die Illusion gegeben, dass man mit Facebook und Twitter ein System zum einstürzen bringen kann. Dies war aber nur möglich, weil die Leute auch auf die Straße gingen und sich in der realen Welt konstruktiv dafür einsetzten, dass sich der Status Quo ändert.

Wir PIRATEN bringen neuen Wind in die Politik und dabei müssen wir das Gemeinwohl im Auge haben und unsere Streitigkeiten beiseite legen. Wir brauchen wie ich schon sagte, eine neue Kultur. Wir müssen Toleranz und Akzeptanz gegenüber den andersdenkenden in der Partei pflegen und ihnen die Möglichkeit geben, dass sie offen ihre Meinung äußern können. Wir müssen von Scheindebatten weg kommen und hin zu den Menschen und dem was sie bewegt.

Wir haben die Möglichkeiten etwas in diesem Land zu verändern. Wir müssen es nur angehen und dafür uns aus unserer Scheinwelt befreien und in die politische Realität eintreten. Dann wird es auch vom Wähler honoriert, denn viele haben auf frischen Wind wie wir PIRATEN ihn darstellen nur gewartet – das haben frühere Wahlergebnisse und Umfragen ergeben.


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Schoresch Davoodi

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Am 30. Juni 1981 geboren. Studium der Politikwissenschaften und Geschichte in Bochum. Publikationen für die EPU in Stadtschlaining (Österreich). Interesse an Politik allgemein und Außenpolitik im Besonderen. Ich bin sozialliberal Eingestellt. Privat spiele ich Shadowrun und Blogge.